UWR-2024-Projektvorstellungen
Promotionsabschlussstipendium für Claudia Mächler
... für ihre Arbeit zur "Baugeschichte des Leonidaion in Olympia"
Das Leonidaion ist mit ca. 75×81 m Grundflache das größte Gebaude im Heiligtum von Olympia. Der prächtige, von einer ionischen Halle umfangene Peristylbau wurde um 330/20 v. Chr. als Banketthaus errichtet und weist bis zu seiner Zerstörung in spatantiker Zeit eine über 600 Jahre andauernde, eng mit der Entwicklung des Heiligtums verknüpfte Bau- und (Um-)Nutzungsgeschichte auf. Trotz der frühen Aufdeckung (1874–81; 1954–56) und seiner Schlüsselstellung fur die antike Architektur blieb eine Gesamtdarstellung seiner Baugeschichte bisher aus. Auf Grundlage einer detaillierten Baudokumentation wird erstmals eine differenzierte Planungs-, Bau- und Nutzungsgeschichte vorgelegt und das Gebaude im Kontext des Gesamtheiligtums sowie innerhalb der antiken Architektur- und Baugeschichte eingeordnet. Dabei wird insbesondere das etablierte Narrativ eines Besuches Hadrians als Anlass für den grundlegenden Umbau einer kritischen Überprüfung unterzogen. Die Neubewertung hat nicht nur fur das Leonidaion als Einzelbauwerk, sondern für das Verstandnis der baulichen Entwicklung des kaiserzeitlichen Olympia insgesamt weitreichende Konsequenzen.
Promotionsabschlussstipendium für Claudia Winterstein
... für ihre Arbeit mit dem Titel: "Bauforscherische Untersuchung des sogennanten Şekerhane Köşkü in Selinus. Ein Memorialbau für Trajan im westlichen Rauen Kilikien"
In Selinus, einer kleinen antiken Hafenstadt an der Südküste der heutigen Türkei, befindet sich die Bauanlage des sogenannten Şekerhane Köşkü. Der ehemals zweigeschossige Baukörper wurde in der römischen Kaiserzeit errichtet und im frühen 13. Jh. n. Chr. von den Seldschuken umgebaut. Dies verlieh ihm seine heutige, massiv wirkende Gestalt. Durch die aktuellen bauforscherischen Untersuchungen kann jedoch gezeigt werden, dass sich hier ursprünglich ein prachtvoller Memorialbau in Form eines viersäuligen Prostylos korinthischer Ordnung auf einem hohen, mit mehreren Räumen ausgestatteten Podium inmitten eines weitläufigen Säulenhofes befand. Die Bauanlage hebt sich in verschiedenerlei Hinsicht – darunter ihre schiere Größe, ihr Baumaterial, ihre Bautechnik, die ornamentale Gestaltung und die sehr qualitätvolle Ausführung – deutlich von ihrem lokalen und regionalen Umfeld ab. In ihr manifestiert sich das bedeutendste historische Ereignis der Stadtgeschichte: der Tod des römischen Kaisers Traian. Dieser verstarb im Jahre 117 n. Chr. auf dem Rückweg von Syrien nach Rom überraschend in Selinus, wo ihm in der Folge der Memorialtempel errichtet wurde.